Das erste Kind alles ändert sich

Dieser Moment, du hast das Kind auf dem Arm nach meistens einer schweren Geburt, egal ob natürlich oder nicht, bist dankbar, vergißt alles um dich herum. Du weißt eigentlich schon das jetzt alles anders ist, denn es gibt Verantwortung zu tragen. All die materiellen Träume, Do’s and Don’ts gibt es nicht mehr. Jede Intrige, die du erlebt hast, interessiert nicht mehr, denn du hast gerade ein Menschenleben zur Welt gebracht. Auf einmal macht das Leben Sinn. Die göttliche Mutter wurde in dir ganz natürlich geweckt, ohne künstliche Hilfe. Aber was nun tun, mit all der Macht in den Händen? Alles ändert sich.


Die erste Zeit vergeht wie im Flug

Wenn du kannst stillst du, wenn nicht gibts halt Fläschen. Trotz allem investierst du soviel Zeit in diesen kleinen Wurm, das alles andere was du außerhalb vom Mutter sein auch bist, nicht mehr zählt. Tage, Wochen, Monate, einfach so. Du brauchst keine Zeit für dich. Oxytocin regelt das schon. Kumpanen und Kumpelinnen, mit denen du früher gute Zeiten, Parties, Jamsessions hattest, sind auf einmal passe. “Wie der will einen Joint auf meinem Balkon rauchen, während ich hier stille? Vergiß es, bleib wo der Pfeffer wächst und komm erst wieder wenn das Kind auf meinen Armen schon selbstbestimmt entscheiden kann, so mit 18 vielleicht?” Dieses Gefühl ist wirklich allgegenwärtig zu Beginn. Schließlich geht es ja darum ein kleines Lebewesen zu schützen. Die Zeit vergeht viel zu schnell.


Das Instrument ist unsichtbar

Die Gitarre hängt dekorativ an der Wand, wenn es schlecht läuft sogar im Koffer oder der Tasche. “Für was brauche ich das denn, ich hab doch jetzt dieses Baby?” Es ist als hättest du alle deine Sünden einfach bei der Geburt an eine “höhere Kraft” abgegeben. Dein Instrument erinnert dich aber immer wieder daran, das es auch ein Leben vor der Geburt gab. Das macht es so unheimlich schwer. Alles bist du. Die Konfrontation damit beginnt später. Es ist ein wahrer Spagat.


Der Freundeskreis ändert sich

Auf einmal hast du keine Freunde mehr. Es sei denn sie haben selbst Kinder. In der Anfangszeit ist sowieso nur der engste Kreis angesagt. Freunde die gut zum Feiern waren, wurden bereits in der Schwangerschaft schon “dezent ignoriert”, Freunde, mit denen man gerne einen Kaffee trinken war, haben zu intellektuelle oder zu persönliche Themen, die einfach gerade nicht in diesen Film passen. Das bedeutet du bist alleine, mit diesem kleinen Erdenbürger. Schön, aber auch schmerzhaft. Auch du wurdest neu geboren.


Bin ich nur noch Mutter?

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich nach drei oder vier Monaten auf einmal schon mal wieder das Gefühl von Überforderung in mir hatte und dachte, “mache ich jemals wieder Musik? Warum spiele ich keine Gitarre mehr?” Ich muss wieder spielen, ich bin doch nicht nur Mutter. Ich bin Künstlerin, Sängerin, SingerSongwriterin aber doch nicht nur noch Mutter.


Wie ist die Anerkennung in der Gesellschaft?

Es ist echt interessant. Mit der Zeit findet man tatsächlich meistens auch andere Mütter, mit ähnlichen Interessen, man geht zusammen auf den Spielplatz, in die Parks. Alles dreht sich nur noch um das Kind, die Familie. Wo bin ich als Künstlerin? Wenn du sagst, du bist Mutter und SingerSongwriterin, wird es manchmal sogar fast verdrängt oder gar nicht ernst genommen. Passt nicht ins Gesamtbild. Mütter bitte nur straight so früh wie möglich aufstehen, straight arbeiten lassen, Haushalt schmeissen, Kinder betreuen. Daselbe für den Mann. Leidenschaften als Eltern? Geht’s noch? Was sollen denn die Leute denken? Das ist schon “der Tonus” der wirklich in der gesellschaftlichen Rhetorik mitschwingt. Künstlerin sein ist viel zu wild. Viel zu lasziv. Jegliche Kreativität ist im Yoga mit dem Sakralchakra verbunden, dieses ist auch mit der Sexualität 1:1 verbunden. Ich finde das erklärt schon einiges.


Wie ist die Anerkennung in der Partnerschaft&Familie?

Auch hier ist das Phänomen, das es gesellschaftlich und auch familär ein “richtiges Rauszwängen” aus dieser Rolle war. Jeden Millimeter Freiheit muss man sich irgendwie erkämpfen. Gerade bei den Kindern. Ich habe drei Kinder in 5 Jahren zur Welt gebracht, musste sie also auch immer bei mir halten, damit keiner Benachteiligt wird, dachte ich. Hat so bloß nicht funktioniert. Jetzt gibt es Besitzansprüche von allen Seiten und es darf sich bloß nichts verändern. Das Rauszwängen geht weiter…


Das erste Mal wieder auf der Bühne

Nach einem langen Kampf schaffe ich es dann doch wieder das erste Mal auf einer kleinen, feinen Bühne, diesmal mit meinem E-Bass und eigenen Songs im Peto. Ich erwische mich immer wieder wie ich die ganze Zeit von den Kindern erzähle, entweder beim Spielen oder auch beim Erzählen mit den Gästen :-D. Im Nachhinein denke ich so. Das darf jetzt aber wirklich nicht sein. Aber was soll ich sonst erzählen wenn ich nur mit den drei Räubern unterwegs bin? Ich will es ändern, weil es für mich und auch die Kinder am Besten ist. Schließlich sollen sie es auch irgendwann können.


Aus meinem Umfeld Künstler

Was ich sehr oft in meinem Umfeld beobachtet habe, ist wenn beispielsweise beide Partner Musiker oder Künstler sind, übernimmt meistens der männliche Part weiterhin das Ruder in dem künstlerischen Umfeld und die Fau die Rolle als Mutter. Warum eigentlich? Hier ist auch wieder dieses klassische Rollenbild am Start, das eigentlich nicht mehr passt. Ich würde es zwar wieder so machen nur anders :-).